Jürgen Schlenz, Dipl.-Ing. (FH)
Ich plane und baue seit 1989 Wintergärten und besitze selbst seit mehr als 20 Jahren einen. Hier stehen die Fragen, die mir Kunden am häufigsten stellen, mit meinen Antworten und, wo es sich lohnt, der Rechnung dazu.
Wärme und Licht
Erhöht ein Wintergarten meine Heizkosten?
Nein. Ein nach Süden ausgerichteter Wintergarten, der offen ans Wohnzimmer angebunden ist, deckt seinen Wärmebedarf über die Heizperiode rechnerisch selbst. Meine Beispielrechnung setzt 212 Heiztage von Oktober bis April an; für einen Anbau von 5 × 3 Metern stehen darin 3.361 kWh Wärmeverlust 3.389 kWh Sonnengewinn gegenüber. Dazu liegen rund 15 Quadratmeter Außenwand des Hauses jetzt im milderen Klima des Anbaus, und im September und Mai entlastet der Wintergarten die Heizung des Hauses zusätzlich.
Aus der Praxis
Durch die verglaste Hülle fängt der Wintergarten auch im Winter reichlich Sonnenenergie ein. Weil die große Öffnung zum Wohnraum die Wärme direkt an Böden und Wände des Haupthauses abgibt, geht davon nichts verloren. An sonnigen Wintertagen werden es 24 bis 26 °C, das empfinden die Bewohner als angenehm, und das Haus wird passiv mitgeheizt. Ich wohne selbst seit mehr als 20 Jahren so und möchte es nicht mehr missen.
Für technisch Interessierte: die Rechnung
Damit Energieberater und Fachleute das nachvollziehen können, hier die Wärmebilanz für einen typischen Anbau. Das Glas ist vorsichtig angesetzt: Mit g = 0,37 hat es den Energiedurchlass eines Sonnenschutzglases, ein übliches Wärmeschutzglas lässt mehr Sonne herein. Der Nutzungsgrad der Solargewinne dagegen steht mit 100 Prozent in der Rechnung, in der Praxis liegt er darunter. Die Bilanz bleibt trotzdem nahe null.
| Annahme | Wert |
|---|---|
| Standort | Deutschland, 49. Breitengrad (Region Erlangen, Nürnberg) |
| Anbau | 5,00 m breit, 3,00 m tief, Pultdach 15°, Front nach Süden |
| Außenhülle | 45,44 m² (Dach 15,53 m², Südfront 12,50 m², Seiten Ost und West 17,41 m²) |
| Glasanteil | 80 % der Hülle, also 36,35 m² |
| U-Wert der Hülle | 0,85 W/m²K, Mischwert aus Rahmen und Verglasung |
| g-Wert des Glases | 0,37 |
| Raumvolumen | 43,5 m³, Infiltration 0,15 Luftwechsel je Stunde |
| Zeitraum | Oktober bis April, 212 Tage |
| Innentemperatur | mindestens 20 °C, höhere Temperaturen durch Sonne werden als Puffer genutzt |
| Mittlere Außentemperatur | 3,8 °C |
| Gradtagzahl | 3.434,4 Kd (Kelvin-Tage), das sind 82.426 Kh (Kelvin-Stunden) |
| Position | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Transmissionsverluste | 0,85 W/m²K × 45,44 m² × 3.434,4 Kd × 24 h ÷ 1.000 | 3.183 kWh |
| Lüftungsverluste (Infiltration) | 0,33 Wh/m³K × 43,5 m³ × 0,15 × 82.426 Kh ÷ 1.000 | 178 kWh |
| Wärmebedarf gesamt | 3.183 + 178 | 3.361 kWh |
| Solargewinn Dach, 15° Süd | 12,42 m² × 360 kWh/m² × 0,37 × 0,85 | 1.405 kWh |
| Solargewinn Südfront | 10,00 m² × 380 kWh/m² × 0,37 × 0,85 | 1.195 kWh |
| Solargewinn Seiten Ost und West | 13,93 m² × 180 kWh/m² × 0,37 × 0,85 | 789 kWh |
| Solargewinn gesamt | 1.405 + 1.195 + 789 | 3.389 kWh |
| Saldo | 3.361 minus 3.389 | -28 kWh, also ausgeglichen |
Die Einstrahlungswerte gelten für den 49. Breitengrad und sind um 15 Prozent für Verschmutzung und Einfallswinkel gemindert, daher der Faktor 0,85. Die 100 Prozent Nutzungsgrad begründen sich damit, dass keine Lüftung und keine Beschattung aktiviert werden müssen und das Haupthaus als Wärmespeicher dient. Deshalb sage ich „rechnerisch ausgeglichen“: Der Anbau heizt sich selbst, den Überschuss von 28 kWh nehme ich nicht als Gewinn in Anspruch.
Dazu kommt der Wandpuffer. Der Anbau überdeckt etwa 15 m² der bisherigen Außenwand des Hauses. Bei einer ungedämmten Außenwand entfallen dort 1.000 bis 1.200 kWh Wandverluste je Heizperiode, bei einer gedämmten Wand entsprechend weniger. Im September und Mai erzeugt der Anbau Wärmeüberschüsse, die die Heizperiode des Wohnhauses um mehrere Wochen verkürzen.
Ist es unter dem Glasdach auch im Winter hell?
Ja, deutlich heller als in jedem Wohnraum. Selbst an bedeckten Wintertagen liefert das Glasdach im Innenraum 1.500 Lux und mehr. Normale Wohnräume erreichen mit Kunstlicht meist nur 150 bis 300 Lux, für den Organismus ist das fast Dunkelheit. Um 1.500 Lux künstlich zu erzeugen, bräuchte man auf 20 Quadratmetern 450 bis 500 Watt LED-Leistung.
Aus der Praxis
Die 1.500 Lux habe ich selbst nachgemessen, in unserem Ausstellungswintergarten auf der Nordseite, an einem bedeckten Wintertag. Tageslicht taktet die innere Uhr, stoppt tagsüber das Schlafhormon Melatonin, stärkt die Konzentration und beugt dem Winterblues vor. Wer tagsüber viel Licht bekommt, schläft nachts tiefer. Nebenbei sinken die Stromkosten für Beleuchtung, und Strom ist primärenergetisch deutlich aufwendiger als Heizwärme.
Für technisch Interessierte: die Rechnung
Was der künstliche Tageslicht-Ersatz kosten würde, gerechnet für 20 m², eine typische Wintergartengröße, an einem bedeckten Wintertag:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Lichtstrom für 1.500 Lux auf 20 m² | 1.500 lx × 20 m² | 30.000 lm |
| Mit Verlusten durch Wandreflexion und Wirkungsgrad der Leuchten | zu installieren | 45.000 bis 50.000 lm |
| Elektrische Leistung mit modernen LEDs | bei etwa 100 lm/W | 450 bis 500 W |
| Stromverbrauch an einem Wintertag | 0,5 kW × 6 h Unterstützung | 3 kWh |
Wird dieser Aufwand nicht betrieben, und im normalen Wohnungsbau ist das der Standard, verzichtet man auf Lebensqualität. Die Chronobiologie belegt die Folgen von Lichtmangel in Innenräumen: Das Auge braucht mindestens 1.000 Lux an der Hornhaut, mit dem hohen Blauanteil des Tageslichts, um die Ausschüttung von Melatonin tagsüber zu stoppen und Cortisol zu aktivieren. Der Winterblues, die saisonal abhängige Depression, entsteht vor allem durch fehlende Beleuchtungsstärke am Morgen und am Nachmittag. Wer tagsüber hohen Lichtintensitäten ausgesetzt ist, schläft nachts nachweislich tiefer und schneller ein.
Reicht mir ein Kaltwintergarten?
Für den Sommer ja, für das ganze Jahr nein. Ein Kaltwintergarten oder Sommergarten mit Einfachglas hat keine Dämmwirkung, lässt mehr als 80 Prozent der Sonnenenergie ungebremst herein und kühlt in der Übergangszeit über die Lüftungsspalten der Schiebeelemente schnell auf Außentemperatur ab. Von Mitte Oktober bis Mitte April wird er kaum genutzt. Der Warmwintergarten mit thermisch getrennten Profilen und Dreifach-Wärmeschutzglas ist Wohnraum für zwölf Monate.
Dazwischen liegt Zweifach-Isolierglas: keine Kältebrücken, ein stabiles Klima und eine verlängerte Saison in Frühjahr und Herbst.
Aus der Praxis
Vordach und Sommergarten stehen meist genau dort, wo vorher die Terrasse vor den großen Wohnzimmerfenstern war. Im Winter zieht man sich ins Haus zurück, und der Blick aus dem Wohnzimmer ist nicht mehr derselbe: Der Anbau versperrt den Himmel, das Licht im Wohnzimmer nimmt ab. Überspitzt gesagt lebt man sechs Monate wie im Kellergeschoss und schaut auf das Geraffel, das im Sommergarten untergestellt wurde. Genau das habe ich beim Ersatz solcher Anbauten durch einen Wintergarten von uns oft gesehen.
Muss ein Wintergarten thermisch getrennte Profile haben?
Ja, wenn er mehr als ein Sommerraum sein soll. Ein durchgehendes Aluminium- oder Stahlprofil ohne thermische Trennung wirkt als Kältebrücke: Das Glas beschlägt, Wasser sammelt sich am Rahmen, das Raumklima wird zugig, und die ständige Feuchtigkeit kann am Wandanschluss die Bausubstanz des Hauses angreifen. Bei uns unterbricht ein Isoliersteg den Wärmefluss zwischen innen und außen.
Das Glas dazu: Moderne Dreifachverglasung erreicht den Dämmwert einer 36 Zentimeter dicken Hohlziegelmauer, die Werte stehen auf der Seite zum Warmwintergarten. Deshalb muss der Wintergarten nicht mehr als Wärmepuffer vom Haus getrennt werden, sondern kann voll in den Wohnraum integriert werden.
Brauche ich eine Beschattung?
Fast immer ja. Liegt der Wintergarten nachmittags in der Sonne, rate ich wegen des hohen Wirkungsgrads zur Außenbeschattung im Dachbereich. Die senkrechten Glasflächen beschattet man meist besser innen: Dort kommt weniger Energie herein, und der Sichtschutz ist gleich mitgelöst. Mit Außenbeschattung und richtiger Lüftung bleibt es im Wintergarten unter 26 °C, auch wenn draußen über 32 °C sind.
Aus der Praxis
Eine Innenbeschattung unter einem Glasdach sehe ich kritisch. Sie wird von der Sonne selbst sehr heiß und gibt einen erheblichen Teil dieser Wärme als Strahlung an die Personen darunter ab, ich empfinde das als unangenehm. Bei hohen Wintergärten, komplizierten Dachformen oder sehr kleinen Dachflächen kann sie trotzdem die passende Wahl sein.
Bau und Planung
Braucht ein Wintergarten ein Fundament?
Ja. Üblich sind frostsicher gegründete Streifenfundamente, mindestens 80 Zentimeter tief, mit einer etwa 15 Zentimeter starken, doppelt bewehrten Bodenplatte darauf. Liegt der Fußboden des Wintergartens weit über dem Erdreich, kann die Bodenplatte auch komplett in gut gedämmter Holzbauweise entstehen und über Stahlstützen auf Punktfundamente abgelastet werden.
Die Schnittstelle zwischen Wintergarten und Fundament klären wir für Sie und empfehlen geeignete Rohbaufirmen. Auf Wunsch fertigen wir bemaßte Pläne für Fundamente und angrenzende Mauern, halten den Kontakt zur Rohbaufirma und übernehmen die Planungsverantwortung für die Anschlussstellen. Oder wir bauen schlüsselfertig mit allen Gewerken.
Brauche ich eine Baugenehmigung?
In der Regel ja. Ein Wintergarten ist in Bayern ein Anbau, und für einen Anbau verlangt die Bayerische Bauordnung eine Baugenehmigung; verfahrensfrei sind nur kleine Vorhaben wie eine Terrassenüberdachung bis 30 Quadratmeter Fläche und 3 Meter Tiefe. Für ein Wohnhaus läuft das als vereinfachtes Genehmigungsverfahren, der Antrag geht je nach Wohnort an die Bauaufsicht der Stadt oder über die Gemeinde an das Landratsamt. Abstandsflächen zum Nachbarn gelten immer, auch bei einem Dach, das keinen Antrag braucht.
Wir erstellen Zeichnungen, Statik und Bauvorlagen und unterzeichnen den Bauantrag als ausführendes Unternehmen. Wenn Sie möchten, wickeln wir das Bauvorhaben komplett ab, vom Bauantrag bis zur Endreinigung. Wo genau die Grenzen liegen, prüfe ich vor dem Angebot mit der Behörde Ihrer Gemeinde, denn verbindlich sagt es nur sie.
Wie lange dauert es vom ersten Gespräch bis zum fertigen Wintergarten?
Das Angebot haben Sie innerhalb einer Woche nach dem Termin bei Ihnen, mit räumlicher Zeichnung und verbindlichen Preisen. Spätestens 4 bis 5 Wochen nach dem Feinaufmaß beginnt die Montage, und aufgebaut ist ein Schlenz-Wintergarten normalerweise in 3 bis 4 Tagen. Die Zeit für die Baugenehmigung kommt dazu, sie hängt von Ihrer Gemeinde ab.
Möglich macht das die Vorfertigung in Baiersdorf: Unverglaste Teilflächen bis 2,65 × 8,5 Meter kommen in einem Stück auf die Baustelle, das Fundament entsteht währenddessen nach unseren Plänen. Unsere Monteure sind seit vielen Jahren im Betrieb und werden vor der ersten Anfahrt mit Bildern und einer genauen Einweisung mit Ihrer Bausituation vertraut gemacht. Der erste Termin bei Ihnen zu Hause ist kostenlos und unverbindlich.
Ist der Wintergarten barrierefrei?
An der Schwelle ja: Unsere Hebeschiebetüren haben zwischen innen und außen nur 5 Millimeter Schwellenhöhe. Wir stellen auch komplexe Hebeschiebetüranlagen selbst her, deshalb sitzen sie ohne Kompromisse in der Gesamtkonstruktion, mit möglichst wenig Rahmen. Ob auch der Übergang vom Wohnzimmer in den Wintergarten ohne Stufe geht, hängt von Ihrem Fußbodenaufbau ab und ist ein Thema für den ersten Termin.
Kann ich einen Kamin in den Wintergarten einbauen?
Ja. In Reichenbach haben wir einen Grundofen in den Wintergarten integriert, der Edelstahlkamin führt durch eine seitliche Wandfläche nach außen. Dieser Wintergarten ist aus Dark Red Meranti, außen mit Aluminium verkleidet, wo das Wetter hinkommt. Ob und wie das bei Ihnen geht, klären wir in der Planung.
Der nächste Schritt
Passt ein Wintergarten zu Ihrem Haus?
Das klären wir am Telefon oder beim Termin bei Ihnen. Beides kostet nichts. Eine Woche nach dem Termin haben Sie ein Angebot mit Zeichnung und verbindlichen Preisen.
Oder rufen Sie an: 09133 777222 (Mo-Do 8-16:30 Uhr, Fr bis 12 Uhr, Sa 10-13 Uhr)